Ein paar Stündchen ESO auf der gamescom – und das Fazit

von Meiou

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Immer wieder kann man über die Social Media Kanäle von Bethesda lesen, dass wieder neue Keys für die Beta von Elder Scrolls Online an die Fans verschickt wurden. Allerdings, auch wenn man bereits 3 Millionen Interessenten (!) für den Spiele-Test vermelden kann, ist bei uns noch nichts dergleichen in den digitalen Briefkästen gelandet.

Umso erfreulicher war es, dass wir auf der diesjährigen gamescom eine Einladung erhalten haben, uns das MMO (pardon, man nennt es ja nicht MMO – sondern Skyrim spielen mit deinen Freunden) genauer anzuschauen und auch mal anzuzocken. Also machten wir uns auf in den Business-Bereich von Bethesda und warteten ungeduldig auf den Einlass. Und kurz darauf war es endlich soweit, wir wurden hineingelassen und die Aufregung darüber, wie gut ESO aussehen würde und könnte, wuchs ins Unermessliche.

Dann – ja! – wurden wir in den heiligen Raum der Räume geführt und uns lächelte schon das Charaktererstellungs-Menü entgegen. So setzten wir uns also eifrig hin, um “Skyrim Online” zu spielen.

Die Gestaltung eures Charakters

Eigentlich sagten wir uns “Ok, keine Zeit mit der Erstellung verschwenden, wir wollen so viel wie nur möglich sehen!”. Gesagt und… eben nicht getan, denn was wir da geboten bekommen haben, war wirklich toll! Auch wenn wir im Test nur den Ebenherz-Pakt, und damit die Nord, die Dunkelelfen und die Argonier zur Auswahl hatten, waren wir von der Möglichkeit, unseren Charakter nach unseren Vorstellungen zu gestalten, überwältigt.

Während meine Kollegen sich nach einer kurzen Erstellungsphase bereits im Spiel befanden, konnte ich mich nicht dazu hinreißen lassen, einfach irgendwas oder irgendwen zu erstellen. Der Charakter, auch wenn es nur ein Test war, musste schließlich gut aussehen, wenn er die Wildnis von Tamriel durchquert. Und genau aus diesem Grund musste es auch eine Dunkelelfe sein!

So, nun also direkt zur Individualisierung: Ob diverse Gesichtszüge, Augen, Haut- und Haarfarben, Figurformen – alles nur Erdenkliche konnte man dort einstellen. Soll der Charakter jung aussehen, oder eher von diversen Schlachten gezeichnet? Ist er schlank und sportlich gebaut, eher mittelprächtig normal oder verzehrt er doch das eine oder andere Wildschwein zu viel?

Die Erstellung der Gesichts- und Figurform ist nicht mittels eines normalen Schiebereglers gestaltet, sondern anhand einer dreieckigen Fläche, in welcher man seinen Mauszeiger hin und her bewegen konnte. So waren relativ fließende Übergänge im Aussehen möglich. Man muss nicht wie in anderen MMOs mit vorgefertigten Gesichts- und Figurtypen leben (wovon man ja auch meist nur eine sehr begrenzte Auswahl zur Verfügung zu stehen hat) – diese Schiebefläche bot uns eine eigene Individualität bei der Erstellung. Wer schon mal bei Trions Rift reingeschaut hat, wird dieses System bereits kennen.

Ansonsten waren alle anderen Einstellungen über den gewohnten Schieberegler möglich, aber auch hier wurde uns eine gewaltige Auswahl gestellt. Wer also viel Wert auf das Aussehen seines Charakters legt, wird mit der Charaktererstellung viel Spaß haben und seeeehr viel Zeit in dieser verbringen.

So, meine Kollegen drängelten schon, also ging es los. Als Klassen haben wir uns den Magier, den Templer und den Drachenritter ausgesucht, um uns auch die unterschiedlichen Fähigkeiten der Klassen genauer anzuschauen.

Los gehts! Erkunden wir Tamriel!

Gestartet sind wir in einer Art Taverne und sofort hatten wir die erste Quest auf dem Schirm. Wir mussten mit jemand Bestimmten sprechen. Zuerst haben wir uns aber in der Taverne noch etwas umgesehen und bemerkt, dass man jegliche Fässer und einzelne Kisten, wie auch in Skyrim, durchsuchen und den Inhalt mitnehmen konnte. Wie zu erwarten, waren in diesen Fässern und Kisten keine großen Schätze, dafür aber oft Kochzutaten zu finden. Wir haben einfach alles eingesteckt und bei dieser Gelegenheit einmal einen Blick in unser Inventar geworfen.

Dieses ist überraschender Weise zu Anfangs sehr großzügig bemessen und wird sogar noch in einzelne Kategorien wie Rüstung, Waffen, Tränke und ähnliches unterteilt. So hatte man einen perfekten Überblick darüber, was man alles in seinen Taschen mit sich herumträgt. Ob dieses Inventar später noch erweiterbar ist, wird sich zeigen. Die “klassischen Beutebeutel” konnte ich hier nicht entdecken. Denkbar wäre es, dass man den Inventarplatz später auch über den Itemshop vergrößern kann, aber das ist nur eine reine Annahme.

Da wir aber nicht nur dazu da sind, unsere Taschen mit diversen Kram aus Tamriel zu befüllen, haben wir die Taverne verlassen und sind, nachdem wir mit unserem Questpartner gesprochen haben, zu einem Dorf, das mit Banditen befüllt worden war, gelaufen.

Kurz noch zu den Questgesprächen: Diese sind vertont und animiert, lediglich die eigene Antwort wird nur rechtsseitig vom Gesprächspartner ausgewählt. Während man bei dem MMO Star Wars: The Old Republic, das ja auch durch seine Vollvertonung glänzt, dem vollen Gespräch folgen kann, sieht man in ESO also nur die Antworten des Gesprächspartners im Video.

Nachdem wir unsere ersten Gespräche hinter uns gebracht haben, haben wir uns nun zu den ersten Gegnern begeben. Wir wollen schließlich kämpfen und nicht nur reden! Ohne jetzt jede Quest einzeln erklären zu wollen, muss man sich das Startgebiet ähnlich wie in anderen MMOS auch vorstellen. Töte x-viele Gegner, hole dir Gegenstand Y und nebenbei noch Gegenstand Z und vergiss ja nicht, mit Person XY darüber zu sprechen, um deine Belohnung abzuholen. Also relativ leichte Kost und (leider auch) nichts Überraschendes.

Da wir damit schon rechneten, war es für uns daher sehr viel interessanter unsere Fähigkeiten auszuprobieren, die man in petto hatte. Man muss sich diese aber auch erst verdienen, indem man weiter im Level aufsteigt und sich so besserer Fähigkeiten bedienen kann. So konnte man wählen, ob man eher nur waffenbegabt ist, oder doch vermehrt etwas mit Magie am Hut hat.

Das Kampfsystem

Und das Kampfsystem ist etwas in ESO, was man wirklich hervorheben muss, denn mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Dabei geht es hier nicht darum sich, wie in anderen MMOS durchaus Gang und Gäbe, durch die verschiedenen Gegner zu “tabben”, sondern diese wirklich gezielt anzugreifen. Das heißt, euer Zielcursor musste direkt auf den Gegner zeigen, sonst ist nichts passiert – man könnte vielleicht mit dem Autohit ins Leere schlagen, aber Fähigkeiten auszuüben war nicht drin. Da stellte natürlich auch eine gewisse Spannung dar und erfordert auch Konzentration seitens des Spielers. In ESO wird es nicht funktionieren, einfach den Gegner auszuwählen und sinnlos die Zauber und Fähigkeiten weiter zu spammen, auch wenn sich der Gegner durch den Raum bewegt. Nein, hier müsst ihr aufpassen und darauf achten, immer euren Feind im Auge zu behalten – eine erweiterte Kampfmechanik also, die den Spieler zwingt, aktiver am Kampfgeschehen teilzunehmen.

Was ich persönlich sehr interessant empfunden habe, ist, dass man bei ESO nicht tausende Fähigkeiten zur Auswahl hat (von denen man im Endeffekt nur 5 wirklich effektiv nutzt und den Rest situationsabhängig), sondern, ähnlich wie bei Guild Wars 2, nur eine Handvoll, mit der ihr aber agieren und euch beweisen müsst.

Der Drachenritter, die Klasse, die ich ausgewählt habe, hatte wirklich hübsch anzusehende Fähigkeiten, die für viel Amüsement auch innerhalb der Gruppe sorgten. So konnte ich eine Art Kette auswählen, mit welcher ich meine Gegner zu mir ziehen konnte – sehr zum Ärger des Nahkämpfers meiner Gruppe, der immer wieder dem Gegner hinterherrennen musste :)

Mit dem fünften Level hatte ich dann auch eine Art Feuerball zur Verfügung, mit welchem ich die Gegner umstoßen und betäuben konnte – ich hatte mich also für den magiebegabten Nahkämpfer entschieden. Es gibt drei Talentbäume, welche jeder Klasse zur Verfügung stehen, die euch verschiedene Möglichkeiten bieten, euren Charakter zu entwickeln und nach euren Wünschen zu gestalten. Zusätzlich konntet ihr als vierten Baum noch eure Waffenfähigkeiten verbessern, um euch zu spezialisieren.

Was das Kämpfen neben dem Zielen auch noch besonders spannend macht, ist, dass man gezielt dem Gegner ausweichen konnte. Dieses erfolgte mit der rechten Maustaste, dafür gab es sogar auch noch einen netten Hinweis auf dem Bildschirm, so dass wir diese Gelegenheit nicht verpassen konnten – was aber doch im Kampfgeschehen ab und an passiert ist. Denn haben wir mal nicht geblockt, wurden wir für einige Zeit kampfunfähig und mussten warten, bis wir aus dieser Starre erwacht sind. Starke Angriffe (oder auch Flächenzauber) der Gegner wurden uns durch eine rote Fläche auf dem Boden angezeigt, so dass es keine große Herausforderung bot, diesen auszuweichen. Wie das später in großen Dungeons ablaufen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit – Wie hat uns ESO gefallen?

Ich muss ehrlich zugeben, dass das Startgebiet nicht ganz so gerockt hat, wie eigentlich erhofft. Allerdings aber, und das muss man fairer Weise entschuldigen, sind Startgebiete in einem MMORPG selten spannender Natur und dienen oft dazu, den Charakter und seine Fähigkeiten peu à peu kennenzulernen. Und diese sehen wirklich toll aus, die Animationen sind recht hübsch gestaltet und besonders die Kette des Drachenritters hatte es mir angetan.

Ein Negativpunkt, der mir relativ schnell ins Auge gestochen ist, war, dass manche Bewegungen noch etwas holprig und nicht ganz so fließend wirkten. Auch das Heranschleichen an einen Gegner, was aussah, als hätte man gerade einen Hexenschuss erlitten, erwies sich als etwas schwieriges, aber durchaus nettes Gimmick, da man schon etwas Geschick aufweisen musste, nicht entdeckt zu werden.

Wir konnten etwa 1 1/2 Stunden bei ESO reinschauen und haben ein doch positives, wenn auch nicht überragendes Fazit ziehen können. Was man auch dazu sagen muss, ist, dass man den richtigen Content, wie die Schlachten um die Festungen, eh erst in den späteren Endleveln erleben und kennenlernen wird. Aus diesem Grund ist es wirklich schwer, ein faires Fazit unserer Zocksession festlegen zu können. Ich glaube, dass ESO durchaus vielen gefallen wird, ABER wahrscheinlich vorrangig den Elder Scrolls-Spielern, die sich in der Welt von Elder Scrolls bereits wohlfühlen und das auch weiterhin tun werden, gerade auch, weil sie ihr Lieblingsspiel nun auch zusammen mit anderen spielen können.

Die Grafik sah schon sehr, wenn auch reifer, nach Skyrim aus und viele Features, wie das Schlösserknacken und das Berufesystem wurden davon übernommen. Wir hätten auch testen können, wie zumindest das Kochen in ESO funktioniert, dafür musste man nur ein Lagerfeuer oder einen Kamin anklicken, allerdings hatten wir keine passenden Zutaten im Gepäck, weshalb wir dieses Feature leider nicht ausprobieren konnten.

Wir sind gespannt, wie sich ESO noch entwickeln wird und wie sich der Eindruck, den man bei den knapp zwei Stunden anspielen gewinnen konnte, weiter festigen oder ob uns das MMO am Ende doch noch gewaltig überraschen wird.

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